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Audi e-tron GT

Handwerkskunst

Noch laufen lediglich E-Tron GT der Vorserie vom Band. Doch in Kürze startet in der Audi Manufaktur Böllinger Höfe in Neckarsulm die Produktion der Kundenfahrzeuge

Von Wolfgang Schäffer

Dieses Zusammenspiel in der Fertigung hat es in sich. Der Hochleistungssportler R8 mit seinem V10-Verbrennungsmotor teilt sich in den Böllinger Höfen die Montagelinie mit dem rein elektrisch angetriebenen Gran Turismo E-Tron GT. „Wir haben das handwerkliche Können aus der R8-Manufaktur bewahrt und um intelligente Technologien ergänzt“, sagt Produktionsleiter Wolfgang Schanz. Nicht ohne einen gewissen Stolz in der Stimme fügt er hinzu, dass es mit einer hochflexiblen Planung gelungen sein, das Beste aus zwei Welten zusammenzuführen. Da sich die Karosseriefertigung der beiden Baureihen aufgrund des Werkstoffkonzepts grundlegend voneinander unterscheidet, wurde der Bereich während des laufenden Betriebs aufgerüstet sowie erweitert.

Generell setzt Audi auch beim E-Tron GT auf Handwerkskunst. Zwar läuft der Karosserieaufbau für das E-Auto überwiegend automatisiert ab. Anschließend aber sind geschulte Karosseriebauer im Einsatz, um Kotflügel, Türen und Frontklappe per Hand exakt zu montieren. So seien präzise, gleichmäßige Spaltmaße garantiert.

Handwerkliches Geschick der Mitarbeiter ist später ebenfalls auf der Montagelinie notwendig. Hier treffen die beiden so unterschiedlichen Modelle zur so genannten Hochzeit, die Verbindung von Antrieb, Fahrwerk – beim E-Fahrzeug zusätzlich die Batterie – mit der Karosserie zusammen. „Alle Kollegen beherrschen die Arbeitsschritte am R8 und am E-Tron GT. Das heißt, dass sie in jedem Takt sehr viele unterschiedliche Schritte ausführen müssen“, weist Montageleiter Sascha Koch auf die enormen Anforderungen hin.

Handwerkskunst, ein gutes Ohr, beste Softwarekenntnisse – aber auch phantasievolle Überlegungen sind indessen notwendig, um einem E-Auto den passenden Sound mit auf den Weg zu geben. „Der Klang eines Autos stellt eine ganz besondere Qualität dar – eine, die man zwar physikalisch beschreiben kann, vor allem aber live erleben muss. Tiefe Frequenzen vermitteln Eindrücke von Kraft, mittlere transportieren Sportlichkeit und Agilität. Hohe Frequenzen passen gut zur elektrischen Klangkulisse eines Elektrofahrzeugs. Der Passant auf der Straße hört den Außensound eines Autos ganz anders, als Fahrer und Beifahrer den Innensound erleben“, sagt der promovierte Elektrotechniker Stephan Gsell. Gemeinsam mit seinem Kollegen Rudolf Halbmeir hat er den digitalen Sound des Audi E-Tron GT konzipiert. Der Weg dorthin war tatsächlich von Phantasie geprägt. „Prinzipiell hat der Klang eines Autos Ähnlichkeit mit Musik“, sagt Halbmeir. Der Audi-Sounddesigner schreibt in seiner Freizeit Songs und spielt in seinem privaten Tonstudio selbst die Instrumente dafür. „Um die Grundlage für den Sound des E-Tron GT zu finden, habe ich alles Mögliche ausprobiert – von der Geige über die E-Gitarre bis zum Didgeridoo, einem Blasinstrument aus Australien. Aber das alles hat nicht richtig gepasst.“ Ein Auto sei eben kein Musikinstrument, sondern ein technisches Gerät.

Die Lösung lag dann im wahrsten Sinne des Wortes vor den Füßen der Sound-Spezialisten. „Im Garten haben wir ein drei Meter langes Kunststoffrohr mit einem Querschnitt von 80 Millimetern gesehen. Das eher gedankenverlorene Trommeln mit Fingern darauf ergab schon einen interessanten Klang. Dann haben wir mit einem Ventilator experimentiert, ihn an das eine Ende gehalten und am anderen Ende gehorcht, was herauskam. Das war je nach Stellung und Abstand ein ganz spezielles, tiefes Wummern. Da war sofort klar, dass wir Basis für den Sound des E-Tron GT gefunden hatten“, erinnert sich Gsell noch gut.

Auf den kreativen Moment folgte die handwerkliche Ingenieursarbeit. Als Tool diente ein Programm, das das Team der Audi-Sounddesigner selbst geschrieben hat. Herausgekommen ist ein sportlich-voluminöser Klangteppich. Noch eine Spur mehr Emotion vermittelt ein optionales Soundpaket. Zwei im Gepäckraum liegende Steuergeräte und Verstärker generieren dann den Außen- und den Innensound. Der vordere Außenlautsprecher bekommt hier noch ein Pendant im Heck. Außerdem gibt es in den hinteren Türen zwei Lautsprecher, die für den besonderen Klangteppich Innenraum verantwortlich sind. Der Fahrer kann im Fahrdynamiksystem Audi drive select selbst einstellen, wie der e-Sound klingen soll. Im Modus efficiency beschränkt er sich auf den gesetzlich vorgeschriebenen Warnklang. Bei comfort kommt zusätzlich der hintere Außen-Lautsprecher ins Spiel. Im Modus dynamic werden beide Außen-Lautsprecher lauter und der Innen-Sound wird zusätzlich aktiviert.

 

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Wolfgang Schäffer

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