Limousine statt SUV
Beim Poker hätte Kia jetzt eine kleine Straße in der Hand. Mit den EV-Modellen 2,3,4,5 und 6, dazu in der Hinterhand noch der 9, sind die Elektrokarten bestens gemischt. Wir waren jetzt mit dem Kia EV4 unterwegs.
Von Wolfgang Schäffer
Auf den ersten Blick ist es schon ein wenig verwunderlich, dass Kia mit dem EV3 und EV4 gleich zwei Stromer in der Kompaktklasse im Angebot hat. Doch mit dem 4er will Kia die Kunden ansprechen, die eher auf Limousinen-Format als auf klassischen SUV-Charakter stehen.
Länger aber niedriger als der EV3
Beginnen wir deshalb gleich mal mit dem Abmessungen. Der EV4 misst 4,43 Meter in der Länge, überragt seinen Bruder damit um satte 13 Zentimeter. Dafür aber ist der EV3 acht Zentimeter höher als der lediglich 1,49 Meter hohe EV4. Dementsprechend ist die Sitzposition in diesem Modell niedriger. Das liegt aber auch daran, dass die Entwickler das vordere Gestühl im EV4 weit in Richtung Unterboden gerückt haben. Da unter dem aber die große Antriebsbatterie liegt, ist unter den Sitzen nicht mehr ausreichend Raum, um die Füße darunter zu schieben.
Sattes Platzangebot im Fond des EV4
Ein kleiner Minuspunkt, der aber aufgrund des riesigen Platzangebots im Fond kaum ins Gewicht fällt. Selbst wenn vorne Personen mit einer Körpergröße von 1,85 Meter sitzen, können es sich gleichgroße Mitfahrer auf der Rückbank noch immer bequem machen. Der Radstand von 2,82 Metern ermöglicht eine satte Beinfreiheit. Auch über dem Kopf gibt es trotz der leicht nach hinten abfallenden Dachlinie ausreichend Luft.
Panorama-Display im zwei Screens
Ansonsten hält Kia im Innenraum an allen bewährten Dingen fest. So ist auch der EV4 serienmäßig mit dem Panorama-Display ausgestattet. Integriert sind darin die beiden 12,3 Zoll großen Bildschirme de digitalen Kombiinstruments und des Navigationssystems. Die Klimaautomatik wird über den dazwischen angesiedelten Touchscreen (5,3 Zoll) gesteuert. Da sich das mächtige Display bis in die Fahrzeugmitte erstreckt, kann auch der Beifahrer leicht das Infotainment-Touchscreen bedienen.
Der Kia EV4 hat manuelle Bedienelemente
Es gibt zusätzlich aber auch eine Reihe von Tasten, um beispielsweise die Temperatur zu regeln oder die Kartendarstellung zu wählen. Die Lautstärke kann über gut erreichbare eine Walze uner dem großen Display oder am Lenkrad reguliert werden. Wie in den anderen Kia-Modellen sind hier auch Schalter untergebracht, um unter anderen Telefon, die gut funktionierende Sprachbedienung oder Fahrmodi anzusteuern. Etwas ungewöhnlich ist die Plazierung der Schalter für die Sitzheizung direkt neben den Türöffnern.
Bequeme und gut gepolsterte Sitze
Die vorne elektrisch verstellbaren Sitze geben guten Halt und sind – auch hinten – bequem gepolstert. Zwischen den Vordersitzen liegen eine großzügig bemessene Armlehne sowie darunteer ein Staufach und davor eine Ladeschale fürs Smartphone. Das kann zudem über mehrere USB-C-Anschlüsse geladen werden.
Bis zu 1.415 Liter Ladevolumen im Kia EV4
Der Gepäckraum hat serienmäßig einen höhenverstellbaren Boden, LED-Beleuchtung und Gepäcknetzösen. Das Volumen des Ladeabteils mit einer erfreulich niedrigen Ladekante beträgt bis zur Fensterunterkante 435 Liter. Werden die asymmetrisch geteilten Rücksitzlehnen vorgeklappt, kann der Kofferraum variabel auf bis zu 1.415 Liter erweitert werden. 455 Kilogramm dürfen zugeladen werden. Zudem gibt es noch die Möglichkeit, einen Anhänger an den Haken zu nahmen. Die Anhängeläst für die hier gefahrene Version mit der großen Batterie liegt bei einer Tonne.
Fahrwerk auf Komfort ausgerichtet
Wenn’s ums Fahren geht, dann wird schnell die Komfortausrichtung des Kia EV4 deutlich. Das Fahrwerk ist so ausgelegt, dass ramponierte Straßenabschnitte souverän passiert werden können. Schläge und Stöße kommen angenehm gefiltert und damit kaum störend im Passagierabteil an. Die Lenkung indessen könnte etwas direkter sein und eine bessere Rückmeldung geben. Das gilt vor allem, wenn es ein klein wenig flotter um die Kurven gehen soll. Doch sportliche DNA ist bei E-Autos in den meisten Fällen ohnehin nicht gefragt. Denn schnelle Fortbewegung geht zu Lasten des Verbrauchs.
Erfahrener Verbrauch liegt bei 18,3 kWh
Der von Kia angegebene WLTP-Wert von 14,4 kWh für die 100 Kilometer Distanz ist aber selbst bei zurückhaltendem rechten Fuß kaum zu erreichen. Wir haben bei moderater Fahrweise mit einem überwiegenden Anteil im Stadtverkehr sowie kleinen Ausflügen über Land und auf der Autobahn 18,3 kWh auf der Anzeige des Displays abgelesen. Die WLTP-Reichweite von mehr als 630 Kilometern rückt damit in ziemlich weite Ferne. Doch gute 400 Kilometer sind bei moderatem Tempo machbar. Für den entsprechenden Antrieb über die Vorderräder sorgt ein 150 kW (204 PS) starker Elektromotor, der den 1,9 Tonnen schweren Kia EV4 in 7,7 Sekunden auf Tempo 100 bringt und in der Spitze 170 Kilometer pro Stunde ermöglicht.
Batterie mit Netto-Kapazität von 77 kWh
Die Energie erhält die E-Maschine aus einer Batterie mit einer Kapazität von brutto 81,4 kWh (das sind netto etwa 77 kWh) gespeichert. Der Akku, auf den es acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie gibt, lässt sich an einer Wallbox mit elf kW laden. Das DC-Laden ist bei idealen Bedingungen mit bis zu 128 kW möglich. 128 kW sind allerdings inzwischen nicht mehr wirklich zeitgemäß. Das können eine Reihe von Mitbewerbern auch in dieser Klasse besser.
Ladeleistung maximal 128 kW
Wir sind bei relativ milden Temperaturen von 15 Grad und nach einer etwas längeren Fahrt mit einer Restengergie von 15 Prozent in der Batterie an eine DC-Säule gefahren. Tatsächlich wurde relativ zügig ein Ladewert von 120 kW erreicht. Zwar ging es recht schnell zurück auf 110 kW, doch das wurde zunächst konstant gehalten. Erst als die Batterie wieder zu 50 Prozent mit frischer Energie versorgt war, flachte die Ladekurve nach und nach ab. Die 80 Prozent SoP wurden nach 25 Minuten erreicht. Das ist in Ordnung, schneller wäre aber naürlich fraglos besser. Kia gibt an, dass es um die 30 Minuten dauert, um den Energiegehalt der Batterie von zehn auf 80 Prozent SoP zu bringen.
Umfangreiche Serienausstattung im EV4
Wie von Kia bekannt, ist auch der EV4 serienmäßig gut ausgestattet. Dazu zählen eine breite Palette an Assistenzsystemen sowie unter anderem ein Navigationssystem inklusive den Online-Diensten Kia Connect,17-Zoll-Leichtmetallfelgen, LED-Scheinwerfer, LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Smart-Key, Rückfahrkamera, Bluetooth-Freisprecheinrichtung mit Spracherkennung, Parksensoren vorn und hinten, Regensensor, beheizbare und elektrisch anklappbare Außenspiegel, elektrische Fensterheber, höhenverstellbarer Fahrer- und Beifahrersitz sowie ein Batterievorheizsystem.
Alles andere als ein Schnäppchenpreis
Wir waren mit der Ausstattungsversion Earth unterwegs. Da sind beispielsweise noch eine Smartphone-Ladeschale, Sitzheizung vorn und ein beheizbares Lenkrad enthalten. Der dann aufgerufene Preis von 45.540 Euro ist allerdings alles andere als ein Schnäppchen. In der Kompaktklasse hat Kia mit dem EV4 damit nicht die besten Karten auf der Hand.
