Auch Suzuki stromert
Jetzt steigt auch Suzuki ins Elektrogeschäft ein. Der eVitara ist der erste von vier Stromern der Marke, die bis 2030 auf den Markt kommen sollen.
Von Wolfgang Schäffer
Der eVitara ist eine gemeinsame Entwicklung von Suzuki und Toyota. Doch federführend für die beiden Modelle, bei Toyota ist es der Urban Cruiser, waren die Entwickler von Suzuki. Die haben das Auto auf eine komplett neue, speziell für E-Fahrzeuge konstruierte, Plattform (Heartect-e) gestellt. Die bietet die Möglichkeit, das 4,28 Meter lange, ohne Außenspiegel 1,80 Meter breite und 1,64 Meter hohe SUV sowohl mit Front- als auch mit Allradantrieb auszurüsten.
Zwei unterschiedliche Akkugrößen
Zudem stehen mit 49 und 61 kWh zwei Größen der Lithium-Eisenphosphat-Batterie zur Verfügung. In Verbindung mit dem kleineren Akku, der eine WLTP-Reichweite von 344 Kilometer ermöglichen soll, ist ein E-Motor mit einer Leistung von 106 kW/144 PS verbaut, der die Vorderachse antreibt. Die Batterie mit einer Kapazität von 61 kWh ist sowohl für die Allradversion als auch den Fronttriebler zu haben. In dem Fall arbeitet an der Vorderachse eine E-Maschine mit 128 kW/174 PS.
Allradversion mit 135 kW Systemleistung
Werden alle vier Räder angetrieben, liegt an der Hinterachse zusätzlich ein 48 kW/65 PS starker E-Motor, was zu einer Systemleistung von 135 kW/183 PS führt. Die WLTP-Verbrauchswerte für die Distanz von 100 Kilometern gibt Suzuki mit 14,9 kWh für die Basisversion, mit 15,1 kWh für die stärkere Variante mit Frontantrieb und mit 16,6 kWh für den Allradler an.
Hoher Verbrauch bei eisigen Temperaturen
Wir waren jetzt mit dem Top-Modell des eVitara, also 4WD und großer Akku, unterwegs. Der Wagen hatte die ganze Nacht zuvor bei teilweise zwölf Grad unter Null im Freien gestanden. Beim Start zeigte das Thermometer noch immer eisige Temperaturen von minus acht Grad an und bei der Ankunft waren es noch immer vier Grad unter Null. Nach der etwa 180 Kilometer langen Fahrt im hügeligen Gelände mit ständigem bergauf und bergab zeigte der Bordcomputer satte 30 kWh als Durchschnittsverbrauch an. Das ist mehr als happig – aber zum Großteil natürlich auch den winterlichen Bedingungen geschuldet. Kälte lässt den Verbrauch vor allem bei E-Autos deutlich ansteigen.
Maximal 426 Kilometer WLTP-Reichweite
Die von Suzuki beschriebenen maximal zu erreichenden 426 Kilometer Reichweite (große Batterie, Frontantrieb) rücken damit trotz der serienmäßig verbauten Wärmepumpe in ganz weite Ferne. 395 Kilometer werden für die Allrad-Variante angegeben. Selbst bei steigenden Temperaturen sind die Werte – wenn überhaupt – lediglich bei überaus verhaltendem rechten Fuß zu erreichen. Doch zwischen 300 und 350 Kilometer erscheinen mit dem großen Akku durchaus realistisch.
Ganz schwache Ladeleistung
Absolut real ist allerdings die ganz schwache Ladeleistung des Suzuki eVitara. Bei der kleinen Batterie sind es gerade einmal 55 kW, bei der größeren auch nur 68 kW, mit denen an einer Schnellladesäule neue Energie aufgenommen werden kann. Damit dauert es bei besten Bedingungen mindestens 45 Minuten, um den Stromvorrat von zehn auf 80 Prozent zu bringen. Das ist tatsächlich nicht mehr zeitgemäß. Der On-Board-Lader ermöglicht die Stromaufnahme mit elf kW an der heimischen Wallbox. Von zehn auf 100 Prozent muss dann je nach Akkugröße mit 4,5 beziehungsweise 5,5 Stunden gerechnet werden.
Viel Platz im Innenraum
Einerlei wie groß die Kapazität der im Unterboden platzierten Batterie ist, die Maße sind identisch und erlauben einen Radstand von 2,70 Metern. Der wiederum hat viel Platz im Innenraum zur Folge. So können es sich die Mitfahrer auf der Rückbank bequem machen, haben reichlich Raum für die Beine und auch über dem Kopf. Praktisch für den Einsatz im Alltag ist die in der Länge um bis zu 16 Zentimeter verschiebbare Rückbank.
Variable Nutzung des Ladeabteils
Da zudem die hinteren Lehnen im Verhältnis 40:20:40 vorklappbar und auch in der Neigung verstellbar sind, kann das Kofferraumvolumen variabel bis auf 1.052 Liter erweitert werden. Sind alle Plätze besetzt und die Rückbank ist komplett zurückgeschoben, stehen 238 Liter zur Verfügung. Die vorderen Sitze sind gut gepolstert und auch auf der längeren Fahrt bequem. Der Platz am Steuer ist in der Höhe verstellbar, das Lenkrad auch in der Länge. So lässt sich eine ergonomisch gute Position für Frau oder Mann am Lenkrad einrichten. Das 10,25 Zoll große digitale Cockpit zeigt die wichtigsten Infos für den Fahrer an. Daneben liegt ebenfalls gut einsehbar das zentrale Display mit Navigation in einer Größe von 10,1 Zoll.
Schaltleiste für die Klimaautomatik
Die Klimaautomatik ist sowohl das Display als auch über eine separate Schaltleiste zu steuern. Und auch für die Lautstärke des Infotainmentsystems gibt es einen manuellen Drehknopf. Smartphones können über Apple CarPlay oder Android Auto kabellos verbunden werden. USB und und USB-C-Anschlüsse gibt es vorne und hinten. In der höchsten Ausstattungsstufe gibt es eine Ladeschale und auch eine elektrische Verstellmöglichkeit für den Fahrersitz.
Fahrwerk auf Komfort ausgelegt
Unterwegs mit dem Suzuki eVitara zeigt sich, dass die Entwickler bei der Abstimmung des Fahrwerks ganz klar dem Komfort die größte Beachtung geschenkt haben. Da auch die Lenkung nicht sehr direkt reagiert, sollten Kurven nicht allzu forsch anvisiert werden. Ansonsten rollt das SUV brav dahin. Einzig ganz kurze Stöße auf schlechten Wegstrecken mögen Federung und Dämpfung nicht. Dann wirkt das Fahrerwerk ein wenig hölzern. Wir sind auf alle Fälle nach der Fahrt durch den winterlichen Harz absolut entspannt ausgestiegen.
Preiseinstieg liegt bei 29.990 Euro
Ob die Kunden bei Preisen von 29.990 Euro für die Einstiegsversion bis zu 42.990 Euro für die Spitzenvariante ebenso entspannt sind, bleibt vor allem hinsichtlich der schwachen Ladeleistung abzuwarten. Hier muss Suzuki bei den für die Zukunft angekündigten Stromern dringend nacharbeiten.
