Komfortable 800-Volt-Limousine
Volvo schickt mit dem ES90 das erste Modell der Marke mit 800-Volt-Technologie ins Rennen. Beim Bedienkonzept allerdings gibt es nicht Neues. Tasten und Schalter sind leider so gut wie nicht vorhanden.
Von Wolfgang Schäffer
Die Plattform teilt sich die Limousine ES90 mit dem SUV EX90, der seit etwa einem Jahr in Deutschland auf dem Markt ist. Zu erkennen ist das vor allem an der für eine Limousine relativ großen Bodenfreiheit von 18 Zentimetern. Doch die fällt tatsächlich lediglich auf, wenn andere Limousinen neben dem ES90 stehen. Mit dem langen Radstand von 3,10 Metern bei einer Gesamtlänge von exakt fünf Metern, dem coupéartigen 1,55 Meter hohen Dach, der riesigen Heckklappe sowie den besonders gezeichneten Lichtsignaturen ist der Volvo auch ansonsten eine außergewöhnliche Erscheinung.
Enge Verwandtschaft zum Volvo EX90
Im Innenraum ist die enge Verwandtschaft zum EX90 deutlich zu erkennen. Das aufrecht stehende 14,5 Zoll große Zentraldisplay, das Kombiinstrumente und das Lenkrad sind in beiden Modellen identisch. Wie bereits erwähnt, haben die Entwickler beim ES90 ebenfalls weitestgehend auf manuelle Bedienelemente verzichtet. Um beispielsweise Veränderungen der Einstellungen des Lenkrads oder der Außenspiegel vorzunehmen, sind immer mehrere Schritte über das Touchdisplay und anschließend über die Tasten am Lenkrad notwendig. Das ist nicht nur umständlich, sondern, wenn es während der Fahrt notwendig werden sollte, auch ablenkend und damit nicht ungefährlich.
Beste Platzverhältnisse im Volvo ES90
Die Darstellungen auf dem Zentraldisplay und dem neun Zoll großen, freistehenden Kombiinstrument aber sind klar und deutlich. Da gibt es nichts zu mäkeln. Erst recht nicht wenn es um die Platzverhältnisse geht. Das gilt vor allem für das Angebot im Fond. Der Fußraum ist derartig groß, dass er für nicht allzu groß gewachsene Personen in der Breite locker als Liegefläche genutzt werden könnte. Vorne sind die Sitze gut gepolstert und geben auch recht guten Seitenhalt. Alles in allem hat Volvo das Passagierabteil überaus komfortabel eingerichtet. Das gilt für die eingesetzten Materialien wie Holzdekor, die freischwebenden Armlehnen in den Türen und das große Panorama-Glasdach. Interessant ist zudem die Akustik im Auto. Denn mit einer besonderen Technologie wird es ermöglicht, dass selbst flüsterleise geführte Gespräche der auf den beiden vorderen Plätzen sitzenden Personen hinten bestens zu hören sind.
Großer Kofferraum im Volvo ES90
Apropos hinten: Das Volumen des Kofferraums beträgt 424 Liter und kann bei vorgeklappten hinteren Lehnen bis auf 1.427 Liter vergrößert werden. Die breite und weit nach oben schwingende Heckklappe erleichtert das Be- und Entladen ebenso wie die erfreulich niedrige Höhe der Ladekante. Bei einem Leergewicht von 2.410 Kilogramm dürfen maximal 490 Kilogramm ins Auto gepackt werden. Wem das noch nicht reicht, der kann 1,6 Tonnen in der Basisversion, ansonsten zwei Tonnen an den Haken nehmen.
Drei Antriebe zur Wahl im Volvo ES90
Alle drei zur Wahl stehenden Antriebe, mit denen im EX90 identisch, haben keine Probleme, das dann 2,9 Tonnen schwere Fahrzeug zügig voran zu bringen. Top-Version ist der 500 kW (680 PS) starke Twin Motor Performance AWD, dem eine Reichweite von bis zu 711 Kilometer attestiert wird. Die dafür notwendige Energie ist in einer Batterie mit einer Kapazität von netto 102 kWh gespeichert. Mit identischer Reichweite und Batterie wartet der Twin Motor AWD auf. 335 kW (456 PS) stehen dann für den Vortrieb zur Verfügung.
Heckantrieb als Basisversion des Volvo ES90
Als Einstieg bietet Volvo den 245 PkW (333 PS) Single Motor Extended Range an, der die Hinterachse antreibt und bei einer Batteriekapazität von netto 88 kWh eine maximale Reichweite von 651 Kilometern laut WLTP-Norm erreichen soll. Alle Antriebe schaffen in der Spitze 180 Kilometer pro Stunde. Die Beschleunigungswerte aus dem Stand auf Tempo 100 liegen bei 4,0, 5,4 und 6,6 Sekunden.
Volvo ES90 mit 15,9 kWh WLTP-Verbrauch
Wir waren mit dem Basismodell rund um Hamburg unterwegs. Der dichte Verkehr und das schlechte Wetter ließ eine wirkliche flotte Fahrt so gut wie gar nicht zu. Deshalb ist eine realistische Angabe zum Verbrauch an dieser Stelle nicht zu machen. Volvo gibt 15,9 kWh an. Bei einem Auto dieser Größenordnung und mit dem Gewicht sind Werte unterhalb von 20 kWh auf alle Fälle positiv zu beurteilen. Bei nicht allzu forscher Fahrweise sollte es machbar sein, diese Grenze zu unterbieten.
Volvo ES90-Karosserie auf Aerodynamik getrimmt
Dafür steht auch die auf Aerodynamik getrimmte Karosserie. Lediglich das Lidar-System vorne auf dem Dach, direkt im Anschluss an die Frontscheibe, steht ein wenig auffällig im Wind. Volvo rechtfertig die Position für die Modellgeneration mit einem Plus an Sicherheit. Die dort untergebrachten Sensoren könnten weiter in die Ferne blicken. Der Blick auf den gerade erst vorgestellten EX60 macht aber deutlich, dass es auch bei Volvo anders geht.
Beste Ladeperformance im Volvo ES90
Aufgrund der 800-Volt-Technologie ist die Ladeperformance des ES90 deutlich besser als die des EX90. Die maximale Ladeleistung gibt Volvo mit 310 kW an. 22 Minuten soll es so dauern, bis der Energiegehalt der Batterie von zehn auf 80 Prozent steigt. Strom für 260 Kilometer sind demnach in zehn Minuten geladen. Die beiden größeren Batterien lassen sich mit maximal 350 kW laden. Damit dauert die Ladezeit von zehn auf 80 Prozent ebenfalls 22 Minuten. Zehn Minuten an einer entsprechenden Ladesäulen bringen aber 275 Kilometer. An der AC-Ladestation beträgt die maximale Leistung generell elf kW.
Volvo ES90 auf Komfort ausgelegt
Eindeutig ist trotz der verhalten zurückgelegten Kilometer auf der ersten Testfahrt zu spüren, dass die Techniker bei der Abstimmung des Fahrwerks ihr Hauptaugenmerk auf den Komfort gelegt haben. Schlechteste Wegstrecken passiert die Limousine absolut souverän. Kurze Stöße oder auch langhubige Wellen werden von Federung und Dämpfung problemlos absorbiert. Im Passagierabteil kommt so gut wie nichts davon an.
Premium-Anspruch des Volvo ES90
Damit unterstreicht Volvo den Premium-Anspruch, mit dem die Modelle der inzwischen zum chinesischen Geely-Konzern gehörenden Marke, antreten. Premium, Komfort und entsprechende Ladeperformance, die zum Einstiegspreis von 70.490 Euro zu haben ist. Die Top-Variante gibt es ab 92.990 Euro.
