Mercedes GLC 400 4Matic EQ

Heller Stromstern

Im Mercedes GLC 400 4Matic EQ Technolgy leuchtet der elektrische Stern besonders hell. Wir haben das SUV der oberen Mittelklasse unter die Lupe genommen.

Von Wolfgang Schäffer

Vorab der Biss in den etwas sauren Apfel. Der GLC 400 4Matic EQ Technolgy ist alles andere als günstig. Mindestens 71.281 Euro (brutto/59.900 netto) müssen für die Anschaffung des Stromers mit seiner unnötig sperrigen Modellbezeichnung kalkuliert werden. Das ist nicht wenig. Doch auf der anderen Seite bietet Mercedes dafür nicht nur eine Menge Auto, sondern auch Technik vom Feinsten.

Allradantrieb und Zweigang-Getriebe

Beginnen wir mit dem Antrieb. Die beiden Permanentmagnet-Sychronmotoren an Vorder- und Hinterachse kommen auf eine Systemleistung von 360 kW (489 PS). Das Drehmoment von 800 Newtonmetern wird über ein bei E-Autos selten verbautes Zweigang-Getriebe verteilt. Es soll für eine Kombination aus bestmöglicher Beschleunigung und hoher Effizienz sorgen. Damit kommt das immerhin 2,5 Tonnen schwere, 4,85 Meter lange, ohne Außenspiegel 1,91 Meter breite und 1,64 Meter hohe Fahrzeug mehr als nur flott voran. So gelingt der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 laut Datenblatt in 4,3 Sekunden. Das haben wir nicht gestoppt. Doch der Antritt des GLC ist ebenso kraftvoll wie die Beschleunigung, wenn’s ums Überholen geht. Das angegebene Höchsttempo von 210 Kilometern in der Stunde indessen kann bestätigt werden. Diese Geschwindigkeit erreicht das SUV geradezu leichtfüßig.

Moderate Verbrauchswerte

Und auch wenn der rechte Fuß alles andere als zurückhaltend eingesetzt wird, bleibt der Verbrauch in ausgesprochen moderaten Bereichen. Auf einer Fahrt über knapp 400 Kilometer mit einem Autobahnanteil von 95 Prozent und einem angezeigten Durchschnittstempo von 125 Kilometer pro Stunde zeigte der Bordcomputer 21,9 kWh an. Schon das ist überzeugend. Ebenso, dass die vor dem Start an der heimischen Wallbox mit 22 kW (optional) zu 100 Prozent aufgeladene Lithium-Ionen-Batterie mit einem Netto-Energiegehalt von 94 kWh bei der Ankunft noch eine Strommenge von 18 Prozent hatte.

Mehr als 500 Kilometer Reichweite realistisch

Das sollte eine Reichweite von weiteren 125 Kilometern ermöglichen. Mehr als 500 Kilometer also insgesamt bei wirklich schneller Reisegeschwindigkeit – das ist mehr als nur alltagstauglich. Damit steht auch einer Geschäftsreise unter Zeitdruck kaum noch etwas im Weg. Und im reinen Stadtverkehr wächst die Reichweite aufgrund starker Rekuperationswerte noch einmal deutlich. Dann sind mehr als 700 Kilometer machbar. Als kombinierten WLTP-Wert gibt Mercedes 673 Kilometer an.

Laden mit maximal 300 kW

Zudem kann der Mercedes GLC dank der 800-Volt-Architektur mit einer Leistung von maximal 330 kW auch schnell laden. 22 Minuten soll es dauern, bis der Akku von zehn auf 80 Prozent mit frischer Energie versorgt ist. Nach zehn Minuten ist Strom für um die 300 Kilometer in die Batterie geflossen. Beides haben wir an der DC-Ladesäule auch dank der Vorkonditionierung erlebt. Da bleibt kaum Zeit, sich einen Kaffee zu holen und/oder die Mails zu checken. Auf dem Bordcomputer ist während der Ladezeit übrigens genau abzulesen, weshalb lediglich noch mit weniger als 330 kW geladen wird. Ladestand des Akkus und Temperatur sind als Gründe für die jeweilige Leistung angegeben.

Riesige Bildschirmlandschaft

Der Bordcomputer ist eingebettet in eine riesige Bildschirmlandschaft, die sich fast über die gesamte Breite des Armaturenträgers zieht. Die Darstellung des sogenannten MBUX Superscreen ist gestochen scharf. Vor dem Platz am Steuer informiert das 10,25 Zoll große digitale Cockpit über alle wichtigen Fakten während der Fahrt. Daneben liegt das Infotainment-Touchdisplay in einer Größe von 14 Zoll, gefolgt von einem ebenso großen Bildschirm für den Beifahrer. Sowohl Außenspiegel als auch Lenkrad und Sitze lassen sich mit physischen Schaltern einstellen. Für die Lautstärkeregelung haben die Designer eine Walze auf der Mittelkonsole platziert. Direkt daneben liegt der Schalter, um die Sprachbedienung alternativ zur Taste am Lenkrad zu aktivieren. Das System versteht die gesprochenen Worte fast immer sehr gut, so dass fast alle Handgriffe überflüssig werden. So auch die zur Leiste im unteren Teil des Infotainmentdisplays, über die sich die Klimaautomatik ansonsten manuell – aber eben per Touch – bedienen lässt.

Viel Platz für Passagiere und Gepäck

Das alles trägt zum Wohlgefühl im ohnehin mit umfangreichem Komfort ausgestatteten Passagierabteil bei. Die Sitze sind äußerst bequem, so dass auch die lange Fahrt absolut entspannt absolviert werden kann. Wer auf der Rückbank reist, hat aufgrund des Radstands von 2,97 Menge Platz für Beine und Füße. Und auch über dem Kopf ist viel Luft bis zum Dachhimmel.

Beim Stichwort Platz kommt natürlich auch der Kofferraum ins Spiel. 570 Liter fasst das Ladeabteil wenn alle Sitze belegt sind. Werden die hinteren Lehnen vorgeklappt wächst das Raumangebot auf bis zu 1.740 Liter. 505 Kiloramm dürfen maximal zugeladen werden. Zudem hat der Mercedes GLC einen extrem großen Frunk. Satte 128 Liter fasst das Fach unter der vorderen Haube.

Alles auf Komfort ausgelegt

Einerlei ob alleine im Auto oder mit mehreren Personen und reichlich Gepäck – das vor allem auf Komfort ausgelegte Fahrwerk des elektrisch angetriebenen GLC zeigt keine Schwäche. Hier haben die Mercedes-Entwickler perfekte Arbeit abgeliefert. Das in diesem Fall mit dem optionalen Luftfahrwerk ausgestattete SUV gleitet souverän über Bodenwellen, federt sanft und damit für die Passagiere unmerklich ein. Gleichwohl bleibt der GLC in schnell gefahrenen Kurven oder heftigen Richtungswechseln jederzeit in der Spur. Die exakt reagierende Lenkung hat daran ebenfalls einen nicht unerheblichen Anteil. Zum hohen Komfort des GLC trägt auch die Ruhe im Innenraum bei. Windgeräusche bleiben fast komplett außen vor, die Abrollgeräusche der auf 20 Zoll Felgen gebetteten 235/50er Reifen vorne und 265/45er hinten sind nur leise zu hören.

2,4 Tonnen Anhänge- und 100 Kilogramm Stützlast

Vor allem für die User-Chooser dürfte die Anhängelast von 2,4 Tonnen sowie eine Stützlast von 100 Kilogramm noch ein wichtiges Argument sein. Die Fahrt mit dem Pferd zum Turnier ist so ebenso wenig ein Problem wie der Ausflug mit bis zu drei E-Bikes, um eine Fahrradtour zu unternehmen.

Bis auf den Preis alles super also? Nicht alles. Denn die seitlichen Trittbretter, mit denen der Testwagen ausgestattet war, sollten vor allem Geschäftsreisende von der Wunschliste streichen. Denn bei schlechtem Wetter sind Schmutzränder an Hosenbeinen oder auch an langen Kleidern dann quasi unvermeidlich.

Front wirkt etwas aufdringlich

Und auch das Gesicht des GLC könnte Diskussionen auslösen. Vielleicht hätte die Designabteilung bei der Gestaltung der Front ein wenig mehr Zurückhaltung üben sollen. Mittig im vollflächig mit LED-Licht strahlenden Kühlergrill im XXL-Format leuchtet der ebenfalls mächtige Mercedes-Stern. Das unterstreicht zwar den Prestigeanspruch der Marke, wirkt aber irgendwie ein wenig aufdringlich.

Aber zweifelsohne hat der Mercedes GLC 4 Matic EQ Technolgy aufgrund seiner technologischen Bestwerte sowie seinem hohen Komfortangebot jeden Grund, sich auch optisch in ein besonderes Licht zu setzen.

 

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