Porsche 911 Dakar

Fahrspaß vom Allerfeinsten

Der Namen weckt Erinnerungen. Doch der Porsche 911 Dakar ist ein Elfer für die Straße, der auch auf Schotter und im Dreck bestens abliefert. Wir waren aber nur auf glattem Asphalt mit der Fahrmaschine unterwegs.

Von Wolfgang Schäffer

Zunächst ein Blick weit zurück. 1984 fuhr Porsche bei der Rallye Dakar mit einem Allrad-Elfer den Sieg bei Paris-Dakar ein. Damals kam ein speziell für diesen Zweck entwickelter Porsche 953 (intern auch Porsche 911 Carrera 4×4 genannt) mit einem 225 PS starken 3,2 Liter Sechszylinder zum Einsatz. Der Allradantrieb war so etwas wie die Basis für den späteren Porsche 959.

Dakar mit Allrad und 480 PS

Mit all dem hat der Porsche Dakar der Neuzeit nichts mehr gemein. Wir haben hier einen wunderbar modifizierten 911 Carrera 4 GTS mit Allrad und 480 PS vor uns. Und nicht nur das. Wir dürfen den Wagen auch ausgiebig bewegen. Die Applikation mit den vier Nullen auf dem Armaturenträger zeigt, dass es ein Dakar ist, der nicht zur limitierten Auflage von 2.500 Exemplaren zählt. Die waren direkt nach dem Öffnen der Bestellbücher weg. Der Preis von 222.000 Euro spielte dabei für die Interessenten wohl keine Rolle. Sammlerstück, Wertanlage – das sind die Themen bei den limitierten Modellen der Stuttgarter Sportwagenschmiede. Wer heute nach einem Porsche Dakar sucht, sieht Preise, die oftmals über 400.00 Euro liegen.

Auch im Dreck und auf Schotter zu Hause

Die Nullnummer des Dakar, der vielleicht seinen Wege ins Porsche Museum finden wird, ist zwar keine dieser Wertanlagen. Doch der Respekt vor dem Meisterwerk der Porsche-Ingenieure gebietet es, den Dakar möglichst schonend zu behandeln. Also kein Dreck, kein Schotter und nur für die Fotos auf den unbefestigten Weg.

Perfekt auf glattem Asphalt

Auf der Straße aber darf dieser spezielle Elfer zeigen, was er drauf hat. Und das ist eine ganze Menge. Der 353 kW (480 PS) starke Dreiliter-Boxermotor mit Biturboaufladung katapultiert den 1.605 Kilogramm leichten Dakar laut Datenblatt in 3,4 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Gerade einmal zwölf Sekunden dauert es, bis die Marke 200 erreicht ist. Bei 240 Kilometern pro Stunde ist Schluß.

Spezielle Pirelli-Allterrain-Reifen

Grund dafür sind die Allterrain-Reifen, mit denen der Wagen bestückt ist. Vorne sind es 245/45er Pneus auf 19 Zoll-Felgen, hinten 295/40er-Walzen auf 20 Zöllern. Für den Dakar haben sich die Pirelli-Entwickler mächtig ins Zeug gelegt. Schließlich sollte der Wagen sowohl für die harte Gangart auf Schotter als auch für die schnelle Kurvenhatz auf der Straße gewappnet sein. So sind die Seitenwände um etwa 40 Prozent steifer ausgelegt als üblich, wurde eine doppelte Karkasse verbaut und die Profiltiefe auf neun Millimeter vergrößert.

Abgestimmt von Walter Röhrl

Dass der Dakar mindestens so gut wie ein herkömmlicher Elfer um die Ecken fegt, hatte die Rallye-Legende Walter Röhrl in einem persönlichen Gespräch ausdrücklich betont. Röhrl hatte selbstverständlich einen großen Anteil an der Abstimmung des Autos. Sein Lob war denn auch einer der Hauptgründe, den für unwegsames Gelände modifizierten 911 einmal selbst zu fahren.

161 Millimeter Bodenfreiheit

Im Vergleich zu einem herkömmlichen Elfer mit Sportfahrwerk hat der Dakar längere Federwege, um die Karosserie um fünf Zentimeter höher zu legen.  Damit ergibt sich eine Bodenfreiheit von 161 Millimetern. Bei Bedarf lässt sich der Wagen per Liftfunktion an jedem Federbein noch um weitere 30 Millimeter anheben. Das war bei uns auf festem Untergrund natürlich nicht notwendig.

Verbreitere Spur und viel CFK

Die um 28 (vorne) und 15 mm (hinten) verbreiterte Spur hat verbreitere Radhäuser zur Folge. Die stehen dem Dakar bestens zu Gesicht.  Um das Gewicht so gering wie möglich zu halten, haben die Entwickler dem Dakar Frontdeckel, Heckspoiler und Sport-Schalensitze Sitze aus CFK sowie Leichtbauverglasung verpasst. Die hintere Sitzanlage fehlt generell. In unserem Testwagen war dafür ein Überrollkäfig installiert.

Der Dakar fegt perfekt um die Ecken

Zur Sicherheit?! Na ja, wir haben den Dakar auf der kurvenreichen Landstraße schon recht zügig bewegt. Doch auch dieser Elfer zeigt sich jedem noch so schnellen und harten Richtungswechsel absolut gewachsen. Das Einlenkverhalten ist grandios, die Rückmeldung der direkten Lenkung ebenfalls. PASM, Wankstabilisierung PDCC und Hinterachslenkung, also alle serienmäßigen Fahrwerksysteme, wurden an die Anforderungen des Dakar angepasst.

Zusätzliche Fahrprogramme Rallye und Offroad

Zudem können am Lenkrad mit Rallye und Offroad zwei spezielle Fahrprogramme zusätzlich zu Wet, Normal und Sport abgerufen werden. Rallye ersetzt Sport + und schickt mehr Antriebsmomente an die mit einer geregelten Quersperre ausHinterachse. Das kleinste Ausbrechen des Hecks lässt sich jederzeit problemlos regulieren. Besser kann ein Auto kaum abgestimmt sein.

Achtgang-PDK und Schaltpaddels

Das Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) überträgt die Kraft des Sechszylinders in bester Manier auf die beiden Achsen. Wer mag, kann über Paddels am Lenkrad manuell die Gänge wechseln. Antritt und Durchzug beim Überholen – von Tempo 80 auf 120 in 2,2, Sekunden – sind in jedem Fall grandios. Das alles ist Fahrspaß vom Allerfeinsten.

Hochleistungs-Bremsen

Wie von Porsche nicht anders bekannt, sind die Bremsen entsprechend der Leistung ausgelegt.Vorne sind Sechskolben, hinten Vierkolben-Alu-Monobloc-Festsattelbremsen verbaut. Die gelochten und innenbelüfteten Scheiben haben einen Durchmesser von 350 Millimetern. Damit kommt der 4,53 Meter lange, mit Außenspiegeln 2,03 Meter breite und 1,34 Meter hohe Porsche 911 Dakar auch aus hohem Tempo im Notfall gnadenlos zum Stillstand.

Außergewöhnliches Fahrerlebnis

Stillstand, der auch beim Verkauf des Dakar kurz nach der Öffnung der Bestellbücher herrschte. Die limitierten 2.500 Einheiten stehen jetzt überwiegend in klimatisierten Garagen und Hallen. Auf den Straßen ist der außergewöhnliche Elfer so gut wie nie zu sehen. Umso schöner, in den Genuss dieses außergewöhnlichen Fahrerlebnisses gekommen zu sein.

 

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