Blick auf die Mercedes C-Klasse Electric

Mercedes C-Klasse electric

Sportlich wie nie

Die C-Klasse ist eine der tragenden Säulen von Mercedes-Benz. Jetzt gibt es die Mittelklasse-Limousine auch mit reinem E-Antrieb.

Von Wolfgang Schäffer

13 Zentimeter länger, sieben Zentimeter breiter und sechs Zentimeter höher – Mercedes hat der rein elektrisch angetriebenen C-Klasse im Vergleich zu den ebenfalls gerade erneuerten Verbrenner-Varianten ein Größenwachstum auf 4,88 Meter, ohne Spiegel 1,89 Meter und 1,50 Meter verpasst. Aufgrund des um zehn Zentimeter auf nun 2,96 Meter verlängerten Radstands haben die Passagiere außerdem mehr Platz im Innenraum.

Stromer agil unterwegs

Das aber ist längst nicht alles. Denn mit der E-Version haben die Entwickler auch die laut Hersteller sportlichste und agilste C-Klasse bislang auf die Räder gestellt. Eine Einschätzung, die nach ersten Testfahrten mit dem elektrischen C 400 4Matic nur bestätigt werden kann.

Allradantrieb aus dem GLC

Der aus dem GLC bereits bekannte Allradantrieb mit einer Leistung von 360 kW (489 PS) und einem Zweigang-Getriebe an der Hinterachse schiebt mehr als nur kräftig an. Schon der leiseste Druck aufs Beschleunigungspedal reicht aus, um die Limousine enorm zu beschleunigen. Der Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 dauert laut Datenblatt gerade einmal vier Sekunden. In der Spitze wird bei 210 Kilometern pro Stunde abgeregelt. Obwohl wir teilweise recht flott unterwegs waren, haben wir weder die eine noch die andere Marke zu erreichen versucht.

Limousine liegt bestens in der Hand

Einige kurze Autobahnabschnitte wurden überwiegend mit Tempo 130, bei Zwischenspurts auch 160, die kurvenreichen Landstraßen – da wo erlaubt – mit 100 Kilometern pro Stunde absolviert. In diesen Bereichen jedenfalls trumpft der Stromer groß auf. Nicht nur, dass es im Passagierabteil in jeder Phase extrem leise bleibt. Die elektrisch angetriebene Limousine liegt zudem richtig gut in der Hand, folgt exakt jedem gewünschten Richtungswechsel. Dabei helfen natürlich die in diesem Fall verbaute Hinterradlenkung sowie die Luftfederung. Beides ist optional zu haben.

Praxisverbrauch bei 16,8 kWh

Serienmäßig dagegen stehen die Fahrmodi Eco, Comfort, Sport oder Individual zur Verfügung. Wir waren zunächst im Comfort-, dann, auf den engen Serpentinen, im Sport-Modus unterwegs. Dann nimmt der Fahrspaß nochmal zu. Allerdings auch der Verbrauch. Zeigte der Bordcomputer beim Dahingleiten auf Autobahn und Landstraße 16,8 kWh an, kletterte der Strombedarf nach der rasanten Kurvenhatz auf 21,7 kWh. Selbst das ist aber angesichts einer derart sportlichen Fahrweise noch absolut in Ordnung. Der WLTP-Wert wird mit 14,3 kWh angegeben. Nach dieser Norm soll eine Reichweite von 762 Kilometern machbar sein. Im Alltag dürften um die 600 Kilometer, im urbanen Umfeld dank der Rekuperationsleistung von 330 kW sogar noch deutlich mehr, realistisch sein.

Akku mit Energiegehalt von 94 kWh netto

Zum Einsatz kommt bei der elektrischen C-Klasse wie schon beim GLC eine Lithium-Ionen-Batterie mit einem Netto-Energiegehalt von 94 kWh. An der Wallbox kann serienmäßig mit elf, gegen Aufpreis mit 22 kW geladen werden. Die 800-Volt-Architektur erlaubt eine DC-Ladeleistung von maximal 330 kW. 22 Minuten dauert es den Angaben zufolge, bis der Akku von zehn auf 80 Prozent mit frischer Energie versorgt ist.

In zehn Minuten 325 Kilometer Reichweite

Nach zehn Minuten ist Strom für bis zu 325 Kilometer in die Batterie geflossen. Beides können wir nach bereits erfolgten umfangreichen Fahrten mit dem technisch baugleichen GLC bestätigen. Auf dem Bordcomputer ist während der Ladezeit übrigens genau abzulesen, weshalb lediglich noch mit weniger als 330 kW geladen wird. Ladestand des Akkus und Temperatur werden als Gründe für die jeweilige Leistung angegeben.

Riesige Bildschirmlandschaft

Eingebettet ist der Bordcomputer in eine riesige Bildschirmlandschaft, die sich fast über die gesamte Breite des Armaturenträgers zieht. Die Darstellung des sogenannten MBUX Superscreen ist gestochen scharf. Vor dem Platz am Steuer informiert das 10,25 Zoll große digitale Cockpit über alle wichtigen Fakten während der Fahrt. Daneben liegt das Infotainment-Touchdisplay in einer Größe von 14 Zoll, gefolgt von einem ebenso großen Bildschirm für den Beifahrer.

Viele physische Schalter

Sowohl Außenspiegel als auch Lenkrad und Sitze lassen sich mit physischen Schaltern einstellen. Für die Lautstärkeregelung haben die Designer eine Walze auf der Mittelkonsole platziert. Direkt daneben liegt der Schalter, um die Sprachbedienung alternativ zur Taste am Lenkrad zu aktivieren. Das System versteht die gesprochenen Worte fast immer sehr gut, so dass fast alle Handgriffe überflüssig werden. So auch die zur Leiste im unteren Teil des Infotainmentdisplays, über die sich die Klimaautomatik ansonsten manuell – aber eben per Touch – bedienen lässt.

Komfortables Passagierabteil

Generell haben die Designer viel dafür getan, dass Passagierabteil möglichst komfortabel auszustatten. Das gilt für die eingesetzten Materialien ebenso wie für die Sitze. Sie sind äußerst bequem, so dass auch die lange Fahrt absolut entspannt absolviert werden kann. Wer auf der Rückbank reist, hat aufgrund des langen Radstands jede Menge Platz für Beine und Füße. Denn die können leicht und locker unter die Vordersitze geschoben werden. Und auch über dem Kopf ist viel Luft bis zum Dachhimmel. Und das trotz der coupéartig nach hinten abfallenden Dachlinie.

470 Liter Volumen im Kofferraum

Der Kofferraum hat ein Volumen von für eine Limousine absolut akzeptablen 470 Litern. Zudem hat die elektrische C-Klasse einen Frunk. Der fasst satte 101 Liter. Alles in allem dürfen 505 Kilogramm in den 2,46 Tonnen schweren Mercedes zugeladen werden. Bei Bedarf können zudem 1,8 Tonnen an den Haken genommen werden. Die Stützlast beträgt 80 Kilogramm.

Gestreckte Optik

Optisch wirkt die elektrisch angetriebene C-Klasse aufgrund ihrer veränderten Abmessungen und der damit  gestreckteren Linie irgendwie harmonischer als die Verbrenner-Varianten. Die waren und sind von der Gestaltung komplett auf Aerodynamik ausgelegt. Doch mit einem cW-Wert von 0,22 ist der Stromer ebenfalls bestens aufgestellt.Zwar haben die Designer, wie schon dem GLC, auch der unter Strom stehenden C-Klasse einen ziemlich großen Kühlergrill mit mächtigem Stern verpasst. Doch aufgrund der niedrigeren Front wirkt das Gesicht nicht ganz so aufdringlich wie beim SUV.

Kombi lediglich  als Verbrenner

Und der Preis? Mindestens 67.711 Euro schlagen für den Mercedes C 400 4Matic elektrisch zu Buche. In naher Zukunft wird es mit den Stromerversionen C 250 und einem C 300 4Matic zwei günstigere Versionen geben. Deren Batterien haben dann eine Nettokapazität von 85 kWh und bieten damit dementsprechend etwas geringere Reichweiten. Eine Kombiversion der elektrischen C-Klasse indessen wird es nicht geben. Die bleibt den Verbrennern vorbehalten.

 

0 0 Bewertungen
Beitragsbewertung
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuste Am meisten bewertete