Laden als Schwachpunkt
Citroen hat mit dem C5 Aircross ein geräumiges und komfortables SUV im Angebot. Schwachpunkt des gefahrenen Plug-in-Hybrid-Antriebs ist aber die Ladeleistung.
Von Wolfgang Schäffer
Im Vergleich zur ersten Generation hat der C5 Aircross bei den Abmessungen zugelegt. In der Länge bringt das SUV jetzt 4,65 Meter, in der Breite ohne Außenspiegel 1,87 Meter und in der Höhe knapp 1,70 Meter auf die Straße. Mit diesen Maßen ist der C5 der Kompaktklasse entwachsen und muss sich nun eher mit den Vertretern der Mittelklasse messen lassen.
Größer und mehr Platz
Der in dem Zusammenhang auf 2,79 Meter gewachsene Radstand kommt dem Platz im Innenraum und hier vor allem den Fondpassagieren zu Gute. Das alles ist möglich, da der C5 wie auch der Opel Grandland und der Peugeot 3008 die sehr variable Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns nutzt.
Technik aus dem Stellanits-Regal
Damit ist klar, dass sich Citroen auch bei der Technik im Stellantis-Regal bedient. Und so wird der hier gefahrene C5 Aircross Plug-in-Hybrid 195 von einem 110 kW (150 PS) starken 1,6 Liter Benziner in Verbindung mit einer E-Maschine, die 92 kW (125 PS) leistet, angetrieben. Das führt zu einer Systemleistung von 143 kW (195 PS). Und die Kombination der zwei Herzen schiebt das SUV kräftig an. Ein Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe überträgt die Kraft auf die Vorderachse. Der Standardsprint gelingt laut Datenblatt in 8,3 Sekunden, in der Spitze sind 220 Kilometer pro Stunde möglich. Ganz so flott waren wir zwar nicht unterwegs. Doch auf einer längeren Autobahnfahrt zeigte der Tacho Tempo 180 an. Dann aber wird es unangenehm laut im Aircross.
Starke Windgeräusche ab Tempo 150
So etwa ab einer Geschwindigkeit von 150 Kilometern pro Stunde nehmen die Windgeräusche mächtig zu. Also kommt der Gasfuß nur zurückhaltend zum Einsatz. Das wirkt sich natürlich positiv auf den Verbrauch aus. Sind es bei hohem Tempo und demzufolge alleinigem Einsatz des Benziners 10,3 Liter, reduziert sich der Durst des Vierzylinders bei moderaterer Fahrt zwischen Tempo 130 und 140 auf 7,1 Liter. Auf der Landstraße und in der Stadt indessen macht sich der Plug-in-Hybrid entscheidend bemerkbar. Dann steuert die E-Maschine ihre Kraft bei oder übernimmt komplett den Antrieb.
Bis zu 80 Kilometer rein elektrisch
Energie für bis zu 80 Kilometer stellt die Lithium-Ionen-Batterie mit einer nutzbaren Kapazität von 17,8 kWh zur Verfügung. Vor allem im Stadtverkehr werden es aufgrund der vielen Rekuperationsphasen noch einige elektrische Kilometer mehr. Allerdings – und das ist schon ein echter Schwachpunkt des Aircross – kann der Akku über den serienmäßig verbauten On-Board-Lader mit gerade einmal 3,7 kW mit frischer Energie versorgt werden. Optional sind 7,4 kW möglich – beides Einphasig. Das hat lange Ladezeiten zur Folge.
Geringe Ladeleistung, lange Ladezeiten
An der Haushaltssteckdose dauert es elf Stunden, um den Ladestand von 20 auf 80 Prozent zu bringen. An der Wallbox sind es fünfeinhalb Stunden. Ist der On-Board-Charger mit einer Leistung von 7,4 kW geordert, sind es immer noch knapp drei Stunden, die der Wagen am Ladekabel hängen muss, um zumindest die 80-Prozent-Grenze zu erreichen. Sollen 100 Prozent und damit die volle elektrische Reichweite erzielt werden, dauert es nochmals um einiges länger. Das ist unschön und kann nerven. Einzig beim Andocken über Nacht an die heimische Wallbox spielt die Ladezeit lediglich eine untergeordnete Rolle.
Fahrwerk auf Komfort getrimmt
Überzeugen hingegen kann der Komfort des Fahrwerks. Federung und Dämpfung sind so abgestimmt, dass selbst wirklich schlechte Wegstrecken souverän passiert werden. Die Insassen bleiben von Stößen und Schlägen weitestgehend verschont. Dessen ungeachtet lässt sich der Aircross trotz einer nicht wirklich direkten Lenkung auch recht flott um die Ecken fahren.
Digitales und physische Bedienelemente
Vom Platz am Steuer haben Frau oder Mann einen guten Blick auf das digitale Display sowie den sich aus der Mittelkonsole nach oben reckenden Infotainment-Touch-Screen. Direkt unterhalb des senkrecht installierten Displays liegt eine Tastenleiste, mit der sich unter anderem die Klimaautomatik ansteuern lässt. Die Temperaturveränderungen müssen aber über den Screen erfolgen. Die Lautstärke lässt sich über eine große Walze regeln. Die Bedienung des Getriebes sowie die Wahl der unterschiedlichen Fahrmodi erfolgt über leicht zu erreichende Schalter auf der Mittelkonsole.
Bequeme Sitze
Die Sitze sind bequem gepolstert und geben guten Halt. So lässt sich die längere Reise problemlos absolvieren. Allerdings hat Citroen eine Menge Hartplastik verbaut. Das mindert das Wohlbefinden doch ein wenig. Im Fond können müssen sich groß gewachsene Passagiere keine Sorge über mangelnde Bein- oder Kopffreiheit machen. Beides ist mehr als ausreichend vorhanden.
Großer Kofferraum
Sind alle Plätze besetzt, steht noch ein Kofferraumvolumen von 565 Litern zur Verfügung. Werden die im Verhältnis 40:20:40 geteilten hinteren Lehnen vorgeklappt, vergrößert sich das Ladeabteil auf satte 1.668 Liter. Zugeladen werden dürfen maximal 471 Kilogramm. Bei Bedarf können 1,55 Tonnen an den 800 Euro teuren Haken genommen werden, die Stützlast liegt bei stattlichen 87 Kilogramm. Da können sogar drei nicht allzu schwere E-Bikes transportiert werden.
Außergewöhnliche Rückleuchten
Optisch zeigt sich der Aircross im Vergleich zum Vorgänger etwas kantiger. Im Gesicht weist natürlich der Doppelwinkel auf die Marke hin. Ein schwarz-glänzendes Band zieht sich als verbindendes Element zwischen den LED-Scheinwerfer über die Front. Besonders markant haben die Designer die dreigeteilten Rückleuchten gestaltet. Zwei schmale LED-Streifen sind auf beiden Seiten direkt unterhalb der Heckscheibe platziert.Losgelöst davon liegen jeweils zwei weitere dieser Lichtstreifen flügelförmig an den Seiten des Aircross. Eines der LED-Lichter setzt auf dem Kotflügel auf, das andere liegt etwa zehn Zentimeter höher. Diese außergewöhnliche Anordnung soll aerodynamische Vorteile bringen und damit den Verbrauch senken.
Euro 7 macht den 195 zum 225
Inzwischen bietet Citroen den C5 Aircross Plug-in-Hybrid übrigens als 225 und nicht mehr als 195 an. Zwar sind außer der Batteriekapazität auch die Leistungen des Benziners und der E-Maschine gleich geblieben, doch die Systemleistung beträgt nun 166 kW (226 PS). Grund dafür ist die Anpassung an die neue Euro-7-Abgasnorm. Dabei wird Kombination der Spitzenleistungen der beiden unterschiedlichen Motoren neu zertifiziert.
