BMW iX3 50xDrive

Neue Klasse, neue Liga

Große Reichweite, schnelles Laden und bequem reisen – der BMW iX3 hält in jedem Punkt das Versprechen des Herstellers. Wir waren mit dem 50xDrive unterwegs.

Von Wolfgang Schäffer

Der iX3 ist der erste Vertreter der Neuen Klasse. Und die spielt im Vergleich zur Vorgängergeneration in einer komplett anderen Liga. Hier ist in erster Linie der Technologiesprung zu nennen. In der nunmehr sechsten Generation des elektrischen Antriebs bei BMW, der Gen6, sind alle Komponenten auf 800 Volt Hochspannung ausgelegt. Das sollte inzwischen für Fahrzeuge dieser Kategorie selbstverständlich sein. Die von BMW eingesetzte Rundzelle aber hat 20 Prozent mehr Energiedichte als die bislang eingesetzten prismatischen Zellen. Damit erreicht der iX3 nach der WLTP-Norm eine Reichweite von bis zu 805 Kilometer.

Knapp 600 Kilometer echte Reichweite

Das haben wir auf keiner unser ausgiebigen und meist über größere Strecken führenden Testfahrten geschafft. Doch knapp 600 Kilometer sind selbst dann absolut realistisch, wenn der rechte Fuß alles andere als zurückhaltend eingesetzt wird. Auf der Fahrt von Bielefeld nach München haben wir beispielsweise nach fast exakt 400 Kilometer lediglich deshalb zu einem Ladestopp gehalten, weil der Strompreis eines Anbieters attraktiver war als alle anderen auf der Strecke. Auf dem Bordcomputer wurde da noch eine Restreichweite von 170 Kilometern angezeigt.

Durchschnittsverbrauch 22,9 kWh

Auf der kompletten Reise waren wir, da wo erlaubt, immer in einem Tempobereich zwischen 150 und 170 Kilometern pro Stunde mit einem Durchschnittsverbrauch von 22,9 kWh unterwegs. BMW gibt einen Normwert von 17,9 kWh und einen WLTP-Verbrauch auf der Autobahn von 22,7 kWh an. Das alles kann sich bei einem Fahrzeuggewicht von um die 2,3 Tonnen und einer Systemleistung von 345 kW (469 PS) sowie einem Drehmoment von 645 Newtonmetern (Nm) mehr als sehen lassen.

Laden mit bis zu 400 kW

Mindestens ebenso erfreulich ist die Ladeperformance. Wenige Augenblicke nachdem der BMW iX3 mit der leistungsstarken DC-Ladesäule verbunden ist, schnellt die Anzeige auf 400 kW. Da kommt Freude auf. Zwar fällt der Energiefluss nach kurzer Zeit auf 370 kW. Doch die Ladekurve bleibt relativ lange konstant über 350 kW. Lauf BMW soll des 21 Minuten dauern, um die Batterie an der 400 kW-Schnellladestation von zehn auf 80 Prozent mit neuer Energie zu versorgen.

In zehn Minuten Energie für 390 Kilometer

Lediglich zehn Minuten dauert es demzufolge, um an einer solchen Ladesäule Strom für bis zu weiteren 370 Kilometern in den Akku fließen zu lassen. Wir haben bei einer Restmenge an Strom im Akku von 15 Prozent tatsächlich nach zehn Minuten eine Reichweitenverlängerung von 390 Kilometern ablesen können. Nicht ganz, aber fast so schnell wie Tanken mit Benzin oder Diesel. An der Wallbox wird übrigens mit – wie in diesem Fall – elf kW oder optional mit 22 kW geladen.

E-Maschinen an Vorder- und Hinterachse

Angetrieben wird der iX3 50xDrive über je einen E-Motor an Vorder- und Hinterachse. An der Hinterachse ist eine stromerregte Synchronmaschine, an der Vorderachse erstmals ein Asynchronmotor verbaut. Damit gelingt der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 in 4,9 Sekunden, in der Spitze wird bei 210 Kilometern pro Stunde abgeregelt. Den Standardspurt haben wir nicht nachvollzogen, das Spitzentempo hingegen können wir bestätigen.

Fehlende Luftfederung kein Mangel

Fahrwerkstechnisch lässt der iX3 keine Kritik aufkommen. Zwar könnten vor allem sehr komfortorientierte Kunden vermissen, dass eine Luftfederung auch nicht gegen Aufpreis zu haben ist. Doch ein wirklicher Mangel ist das nicht. Schläge und Stöße auf schlechter Wegstrecke kommen kaum im Passagierabteil an. Und wenn’s auf kurvenreicher Straße so richtig zur Sache geht, dann bleibt der Wagen jederzeit in der vorgegebenen Spur. Die Lenkung ist BMW-typisch direkt und gibt beste Rückmeldung.

Sanftes Verzögern bis zum Stand

Gesteuert werden Fahrdynamik, automatisiertes Fahren, Infotainmentsystem sowie alle Funktionen von vier Hochleistungsrechnern, die im Vergleich zur noch aktuellen Fahrzeuggeneration mehr als die 20fache Rechenleistung bieten. Der zentrale Steuerungscomputer übernimmt dabei unter anderem die Steuerung von Laden, Rekuperation, Antrieb und Bremsen. Vor allem über die Rekuperation erfolgt das Verzögern sanft und ruckfrei bis in den Stand. Das Bremspedal muss bei vorausschauender Fahrweise kaum betätigt werden.

Neu gezeichnetes Gesicht

Optisch zeigt sich der 4,78 Meter lange, ohne Spiegel 1,90 Meter breite und 1,64 Meter hohe iX3 mit einem neu gezeichneten Gesicht. Die vertikal stehende typische Niere ist wesentlich feiner und kleiner gezeichnet als bei Modellen der jüngsten Vergangenheit. Da die oberen Ränder leicht in die Fronthaube reichen und der untere Bereich in der Frontschürze eingebettet ist, tritt die Skulptur dennoch deutlich hervor. In die weit nach unten gezogene Frontschürze sind mächtige Lufteinlässe eingelassen. Seitlich der Niere unterstreichen bis an die Scheinwerfer reichende feinste horizontale Leuchtflächen die neue Frontgestaltung.

Griffe liegen bündig in den Türen

Das wuchtige Heck wird aufgrund der von den Radkästen bis fast in die Mitte der Ladeklappe reichenden Rückleuchten optisch in die Breite gezogen. In der Seitenansicht fällt die sanft nach hinten abfallende Dachlinie ebenso auf wie die glatten Flächen mit bündig in den Türen liegenden Griffen. Die fahren automatisch aus, wenn sich Frau oder Mann mit dem digitalen Schlüssel dem Fahrzeug nähert.

Digitales Infoband in der Frontscheibe

Im Innenraum ist besonders das schmale digitale Band am unteren Ende der gesamten Frontscheibe auffällig. Hier werden alle wichtigen Informationen bestens erkennbar dargestellt. Das individuell konfigurierbare Display ersetzt das herkömmliche Cockpit hinter dem ebenfalls neu konzipierten und sehr gut in der Hand liegenden Multifunktions-Lenkrad. Der zentrale Touch-Bildschirm mit einer Größe von 17,9 Zoll lässt sich aufgrund eine neuen Menüstruktur mit einem Schnellzugriff einfach bedienen. Lästiges und ablenkendes suchen in Untermenüs ist so gut wie nicht notwendig.

Haptische Bedienmöglichkeiten

Zudem gibt es außer der Sprachbedienung haptische Schalter unter anderem für Lautstärkeregelung, Seitenspiegel und elektrische Verstellung der bequemen und besten Halt gebenden Vordersitze. Für das kabellose Laden von Smartphones stehen zwei Plätze zur Verfügung.

Kofferraum fasst bis zu 1.750 Liter

Der Kofferraum fasst 520 Liter und kann bei umgelegten asymmetrisch geteilten hinteren Lehnen auf bis zu 1.750 Liter vergrößert werden. Kleiner Nachteil: die Ladefläche ist dann nicht komplett eben. Zusätzlichen Stauraum gibt es unter der Fronthaube. Ein mit Deckel verschließbares Fach fasst 58 Liter. Da passt dann auch mehr rein als lediglich ein Ladekabel.

68.900 Euro Basispreis für den iX30 50xDrive

Schon serienmäßig sind in dem iX30 50xDrive zum Basispreis von 68.900 Euro eine Vielzahl von Assistenzsystemen wie beispielsweise der Parkassistent samt Kamera oder der Driving Assistent Plus serienmäßig verbaut. Dazu gibt es ein umfangreiche Liste mit optionalen Ausstattungsangeboten. Wer sich dort den einen oder anderen Wunsch erfüllt, hat schnell bis zu 20.000 Euro mehr auf der Rechnung. Daran hat sich auch bei der Neuen Klasse nichts geändert.

 

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