Porsche Cayenne Coupé S

Schräg und scharf

Von Wolfgang Schäffer

Braucht es wirklich derart mächtige SUV mit so viel Leistung? Im Prinzip ist die Frage mit einem klaren Nein zu beantworten. Doch der Blick auf den globalen Markt zeigt, dass sich viele Kunden gerade für diese Autos entscheiden. Nicht zuletzt der Porsche Cayenne ist dafür ein bemerkenswertes Beispiel. Das SUV macht einen Großteil der Verkäufe des Sportwagenherstellers aus. Vor allem auch, seit es die Coupé-Variante gibt. Im Hinblick darauf stellt sich allerdings gleich eine weiter Frage: Weshalb nicht gleich so? Warum wurde nicht von Anfang an auf dieses Design gesetzt? Denn sportlicher kann ein SUV kaum gezeichnet sein.

Für das Coupé wurden lediglich Vorderwagen und Türen im unteren Bereich vom Ursprungs-SUV übernommen. Die A-Säule hingegen verläuft deutlich schräger als beim Cayenne. Dementsprechend flacher gestellt ist die Frontscheibe. Zur Folge hat das, dass die Dachkante um zwei Zentimeter tiefer ansetzt. Von der B-Säule an fällt die Dachlinie drastisch ab. Mit muskulös herausgearbeiteten Schultern über den hinteren Radhäusern gewinnt das Coupé optisch weiter an Kraft.

Der hintere Teil des Wagens unterscheidet sich komplett vom bekannten SUV. So wurde eine neue Heckklappe mit besonders flach eingesetzter Scheibe entwickelt. Während das Nummernschild beim Cayenne in die Heckklappe integriert ist, sitzt es beim Coupé im Stoßfänger. Außer einem feststehenden Dachspoiler, der in erster Linie wohl aus Designgründen dort angesiedelt ist, gibt es einen adaptiv ausfahrenden Heckspoiler mit schwarzer Spoilerlippe.

Soweit zur sportlichen Optik, die sich allerdings nur unwesentlich auf das Platzangebot im Innenraum auswirkt. Vorne bleibt dabei ohnehin alles so, wie im Cayenne. Allerdings werden im Coupé serienmäßig neue, achtfach verstellbare Sportsitze (im Turbo 18-Wege-Sportsitze) mit integrierten Kopfstützen und bestem Seitenhalt verbaut. Im Fond jedoch wird der Neue serienmäßig lediglich mit zwei Sitzen angeboten. Das Gestühl ist allerdings nicht zu verschieben. Damit konnte die Bauhöhe der Sitzanlage verringert werden. Sie liegt nun drei Zentimeter tiefer im Wagen. So haben auch groß gewachsene Personen keine Probleme mit der Kopfhöhe. Auf Wunsch und ohne Aufpreis ist aber auch eine Sitzbank mit drei Plätzen zu haben.

Eingebüßt hat das Volumen des Ladeabteils. Zwar lassen sich die hinteren Lehnen in der Neigung zehnfach verstellen und bei Bedarf auch im Verhältnis 40:20:40 vorklappen. Dann wächst der Stauraum von 625 auf bis zu 1.540 Liter, statt 770 bis 1.710 Litern im Cayenne.

Dafür aber trumpft das Coupé gleich mit einer ganzen Palette von Annehmlichkeiten in Serie auf. Da ist zum einen das mehr als zwei Quadratmeter große Panorama-Festglasdach. Ab Werk gehören zur Coupé-Ausstattung zudem das Sport-Chrono-Paket, 20-Zoll-Alu-Räder, ein Park Assistent inklusive Rückfahrkamera, die elektronische Dämpferverstellung (PASM) sowie die bereits erwähnten Sportsitze.

Wenn’s uns Fahren geht, dann hält das immer über beide Achsen angetriebene Cayenne Coupé alles das, was von einem Porsche erwartet wird. Trotz des stattlichen Gewichts wieselt der Wagen überaus agil um die Ecken, lässt sich extrem präzise steuern und liegt bei hohem Tempo satt auf der Straße. Wer sich für die in diesem Fall verbaute aktive Wankstabilisierung (3.190 Euro)und Hinterachslenkung (etwa 2.000 Euro) entscheidet, der kann auf der kurvenreiche Strecke nochmals einen Deut sportlicher unterwegs sein. Gleichwohl macht sich die Hinterachslenkung in der Stadt positiv bemerkbar, da sich der Wendekreis des Cayenne damit verkleinert und die Handlichkeit vor allem beim Ein- und Ausparken mit dem mächtigen Fahrzeug besser wird.

Sportliche Fortbewegung garantiert der aufgeladene Dreiliter-V6-Benziner mit 440 PS in der S-Version. 550 Newtonmeter liegen zwischen 1.800 und 5.500 Umdrehungen pro Minute an. Zudem weist das Datenblatt fünf Sekundenfür den Sprint aus dem Stand auf Tempo 100 und in der Spitze 263 Kilometer pro Stunde aus. Beides haben wir nicht ausprobiert. Doch der Antritt ist auch ohne das Ausreizen des kompletten Leistungspotenzials so hammerhart, dass der Rücken fest gegen die Sitzlehne gepresst wird. Und wer mag, kann die Beschleunigungsorgie ohne die geringste Zugkraftunterbrechung bis zum Höchsttempo fortsetzen. Die generell verbaute Achtgang-Automatik ist dazu bestens abgestimmt, wechselt extrem schnell und präzise die Fahrstufen. Wird die volle Kraft der Maschine allerdings häufig genutzt, macht sich das im Verbrauch heftig bemerkbar. Etwas mehr als 18 Liter verleibt sich der Dreiliter-Turbo dann ein. Doch schon bei ein wenig Zurückhaltung beim Einsatz des Gasfußes muss deutlich weniger Benzin durch die Leitungen fließen. Im Durchschnitt sind wir bei einem etwa gleichen Mix aus Stadt-, Landstraßen- und Autobahnfahrten auf 12,9 Liter gekommen. Ja, das ist eine Menge – doch für ein Auto dieser Art und mit dieser Leistung ein Wert, den Interessenten hinnehmen müssen. Der Normverbrauch wird übrigens mit 9,4 Liter angegeben.

Zu akzeptieren ist zudem der Preis, der für den Cayenne Coupé S minimal unter der 100.00-Euro-Grenze bleibt, mit ein paar Extras wie beispielsweise Lackfarbe Kreide (2.300 Euro), Keramik-Bremse mit gelben Sätteln (8.700 Euro) oder auch Sportabgasanlage (2.700 Euro) aber schnell auf 120.000 oder auch deutlich mehr Euro klettert. Preise dieser Größenordnung schrecken die entsprechende Kundschaft aber ebensowenig wie die Diskussionen um Sinn und Zweck von großen und starken SUV.

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