Die achte Generation des Porsche 911 Targa

 

Aufgebügelt

Aus dem „Sicherheitscabriolet mit Überrollbügel“ ist längst eine Stilikone mit großer Fangemeinde geworden. Die inzwischen achte Generation des Porsche Targa profitiert vor allem von der gesteigerten Performance der 911-Baureihe.

Von Wolfgang Schäffer

Waren das noch Zeiten, als der Fahrer eines Porsche Targa anhalten, die Verspannung des herausnehmbaren Dachteilstücks lösen und das Verdeckfragment verstauen musste, um den freien Blick nach oben und jede Menge frischen Wind erleben zu können. Mit diesem Konzept legte Porsche 1965 mit der Marketingbotschaft „Sicherheitscabriolet mit Überrollbügel“ den Grundstein für die dritte Karosserievariante des 911. Die punktet bei den Kunden mittlerweile vor allem aufgrund der Rückbesinnung auf das in die Moderne übertragene klassische Targa-Konzept. Mit einem Verkaufsanteil von 20 bis 25 Prozent liegt die halboffene Karosserievariante inzwischen auf einem ähnlichen Niveau wie das Cabrio.

Deutlich spürbar profitiert der neue Targa von seiner Basis, dem Porsche 992. Einlenk- und Kurvenverhalten sowie der Komfort wurden nochmals gesteigert. Irgendwie scheint es, das Auto könne die physikalischen Grenzen verschieben. Kaum zu fassen, wie problemlos der Wagen bei extrem flotter Fahrt in der Spur bleibt. Die Rückmeldung der direkten Lenkung lässt keine Wünsche offen. Bestnoten bekommt auch das neu entwickelte achtstufige Doppelkupplungsgetriebe (PDK). Nicht der Hauch einer Zugkraftunterbrechung ist beim Hochschalten zu spüren. Für den 911 Targa 4S bietet Porsche exklusiv das neue manuelle Schaltgetriebe mit sieben Gängen an. Es kann zusammen mit dem Sport Chrono-Paket geordert werden. Statt der elektronisch geregelten Hinterachs-Quersperre (PTV Plus), die in Verbindung mit dem PDK-Getriebe eingesetzt wird, kommt dann die mechanische Hinterachs-Quersperre (PTV) zum Einsatz.

Für den Antrieb des generell über alle vier Räder angetriebenen 911 Targa, der etwa 50 Kilogramm mehr wiegt als das Coupé und 20 mehr als das Cabrio, sorgt wie im Carrera der neue Dreiliter-Sechszylinder-Boxer mit Biturbo-Aufladung. Im Targa 4 leistet das Triebwerk 385 PS (plus 15 zum Vorgänger), im Targa 4S sind es 450 (plus 30). Die fahrdynamische Abstimmung mit Mischbereifung umfasst für den 911 Targa 4 an der Vorderachse Reifen der Dimension 235/40 ZR auf 19-Zoll-Leichtmetallrädern, an der Hinterachse sind 20-Zoll-Räder mit 295/35 ZR-Reifen montiert. Das 4S-Modell ist serienmäßig mit Pneus der Dimension 245/35 ZR auf 20-Zoll-Rädern vorne und 305/30 ZR auf 21-Zoll-Rädern hinten ausgerüstet.

Die Verzögerung übernehmen beim Targa 4 an beiden Achsen 330 Millimeter große Bremsscheiben mit schwarzen Vierkolben-Monobloc-Festsätteln. Der Targa 4S verzögert an der Vorderachse mit Sechskolben- und an der Hinterachse mit Vierkolben-Sätteln, jeweils in Rot. Die Bremsscheiben messen hier je 350 Millimeter vorne und hinten. Als Option kann die Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) bestellt werden.

Mit den neuen 911-Targa-4-Modellen hält Porsche InnoDrive Einzug in die Liste der Elfer-Optionen. Das System erweitert den Funktionsumfang des Abstandsregeltempostats um eine vorausschauende Geschwindigkeitsregelung von bis zu drei Kilometern. Basierend auf hochgenauen Navigationsdaten, werden die optimalen Beschleunigungs- und Verzögerungswerte errechnet und über den Motor und das Achtgang-PDK sowie die Bremsanlage aktiviert. Dabei berücksichtigt dieser elektronische Co-Pilot Kurven, Steigungen, Kreisverkehre sowie Stopp- und Vorfahrtgewähren-Situationen. Darüber hinaus erkennt das System auch Abbiegungen und Abfahrten auf Basis der Zielführung oder durch Setzen des Blinkers. Auf Wunsch werden auch zulässige Geschwindigkeiten automatisch berücksichtigt. Der Fahrer hat dabei jederzeit die Möglichkeit, die Maximalgeschwindigkeit individuell festzulegen. Das aktuelle Verkehrsgeschehen wird durch eine Radar- und Video-Sensorik erfasst und die Regelung entsprechend angepasst. Wie bei der klassischen Abstandsregelung registriert die Radar-Video-Sensorik zudem den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen und passt ihn permanent an.

Die neue optionale Smartlift-Funktion ermöglicht es, den Vorderwagen an regelmäßig befahrenen Stellen automatisch anheben zu lassen. Mit dem elektrohydraulischen System an der Vorderachse kann die Bodenfreiheit an der Bugverkleidung um rund 40 Millimeter vergrößert werden. Dabei speichert das System auf Knopfdruck die GPS-Koordinaten der aktuellen Position. Steuert der Fahrer die Stelle erneut aus der gleichen Richtung kommend an, hebt sich der Vorderwagen automatisch an.

Im Vergleich zum Targa der Vorgängergeneration wurde die Aerodynamik noch einmal ausführlich überarbeitet. Das Ergebnis ist ein cW-Wert von 0,30. Außerdem musste die Dachmechanik vollumfänglich an die jetzt breiter gewordene Karosserie angepasst werden. An der eigentlichen Funktion sowie dem notwendigen Zwischenstopp vor dem Öffnen oder Schließen jedoch hat sich nichts geändert. Der Vorgang dauert gerade einmal 19 Sekunden. 19 Sekunden, in denen das Auto aber am Besten vor einer spiegelnden Scheibe stehen sollte, um das Schauspiel zu genießen. Denn es ist nach wie vor spektakulär, wenn auf Knopfdruck die flachgezogene Heckscheibe nach hinten fährt, leicht abkippt, sich das zwischen Windschutzscheibenrahmen und Targabügel liegende Stoffverdeck faltet und hinter den Fondssitzen verschwindet, ehe das immerhin 35 Kilogramm schwere Heckscheibenelement wieder in die angestammte Position fährt. Da bleibt so manchem Betrachter der Mund staunend offen stehen. Offen ist dann auch der komplette Bereich über Fahrer und Beifahrer.

Zum Schutz vor Beschädigungen überwacht übrigens der serienmäßige Park-Assistent beim Öffnen oder Schließen des Dachs den Bereich hinter dem Fahrzeug, da die Fondscheibe dabei über das Heck hinausschwenkt. Erkennt das System im Bereich von etwa 50 Zentimetern hinter dem Fahrzeug ein Hindernis, bricht es den Vorgang ab.

Die Preise für den 911 Targa 4 starten bei 125.247 Euro und bei 140.327 Euro für den 911 Targa 4S.

 

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