VW Arteon und Shooting Brake

Im Doppelpack

Von Wolfgang Schäffer

Dieses Facelift hat es in sich. Parallel zur generellen Überarbeitung des VW Arteon (http://(www.vw.de) gibt es mit dem Shooting Brake ein zweites Modell und mit einem Plug-in-Hybrid sowie der R-Version zwei neue Antriebsvarianten

Verträgt sich eine Kombination aus Gran Turismo und Kombi? Oder ist diese Mischung zu gewagt? Diese Frage hat Porsche mit dem Panamera Sport Turismo bereits eindeutig beantwortet. Häufig wird die Kombiversion sogar als die schickere Ausführung der Baureihe bezeichnet. Durchaus ähnlich könnten die Reaktionen auf den Arteon als Shooting Brake ausfallen. Die Fusion der zwei Autowelten, also der eines stylischen viertürigen Coupés mit einem praktischen Kombi, ist absolut gelungen. Klaus Bischoff, Chefdesigner des Konzerns, beschreibt das so: „Wir haben es geschafft, die progressive Dynamik eines Gran Turismo mit der Variabilität eines Variant zu kombinieren.“

Dazu wurde die Außenhaut des Shooting Brake, der knapp 900 Euro teurer sein wird als das viertürige Coupé (Einstieg etwa 45.000 Euro), bei identischen Außenmaßen von den B-Säulen an eigenständig gestaltet. Die Dachpartie sowie die seitlichen Glasflächen sind zum Heck hin verlängert und zugleich stark eingezogen, die Radhäuser hingegen weiter ausgestellt. Damit erhält das neue Modell eine sehr kraftvolle Schulterpartie. Während die Fensterlinie im oberen Bereich parallel zum Dach verläuft, steigt die Linienführung zu den dynamisch nach vorn geneigten D-Säulen hin an. Dadurch wird die Fensterfläche im Fond immer schmaler und markanter. Die Rundumsicht für die Passagiere im Fond, die im Verhältnis zum Coupé satte vier Zentimeter mehr Kopffreiheit haben, ist dessen ungeachtet richtig gut. Ein weit über die Heckscheibe reichender Dachspoiler verringert einerseits Luftverwirbelungen. Auf der anderen Seite wird der Anpressdruck der Hinterachse erhöht.

Die beim Öffnen weit nach oben schwingende Heckklappe wird dominiert von einer scharfen Linie. Diese verläuft rund um das komplette Fahrzeug, ist jedoch unterhalb der hinteren Scheibe so markant modelliert. dass sie fast so wie eine zweite Abrisskante wirkt. Direkt darunter liegen die neu gezeichneten LED-Rückleuchten, die den Arteon in beiden Karosserieversionen optisch in die Breite ziehen.

Praktischer Vorteil des Shooting Brake ist auf alle Fälle der Gewinn an Kofferraumvolumen. Bei einer Beladung bis an die Rücksitzlehne und zur Höhe der Gepäckabdeckung stehen 583 Liter und damit 20 mehr als beim Fastback zur Verfügung. Bis an die Lehnen der Vordersitze beladen, steigt das Volumen auf 1.632 Liter (Fastback: 1.557 Liter). Lang ist die Ladefläche maximal jeweils 2,09 Meter (bis zu den Vordersitzen).

Das schon bislang ausdrucksstarke Gesicht des Arteon haben die Designer anlässlich der Modellpflege weiter verfeinert. Geblieben ist die langgezogene und auf die Radhäuser umlaufende Motorhaube. Die Kühlermaske hingegen verleiht mit vier Querstegen der Front jetzt eine größere Breitenwirkung. Die beiden oberen Streben umschließen mittig das neue, glattflächige VW-Zeichen und nach außen die serienmäßige LED-Scheinwerfer. Die untere der zwei Spangen ist außen mit LED-Lichtleitern ausgestattet. Sie bilden das Tagfahr- und Positionslicht sowie – wenn denn die optional möglichen LED-Topscheinwerfer verbaut sind – das Blinklicht. Die Lichtelemente, der Kühlergrill und die Motorhaube bilden laut Bischoff formal eine Einheit. „Für das nun vorgestellte Arteon Update respektive den Arteon Shooting Brake gilt das um so mehr, da die LED-Lichtleiter jetzt die komplette zweite Querspange des Kühlergrills beleuchten können,“ betont der Chefdesigner. Dazu muss allerdings das Active Lighting System (LED-Doppelscheinwerfer mit Projektor-Linsen, dynamisch geregeltes Dauerfern- und Kurvenlicht) als Sonderausstattung installiert sein. Modifiziert wurde auch die Frontschürze. Bislang gab es hier vier Chromspangen. Jetzt sind es drei markanter ausgeführte Chromstreben.

Reagiert hat VW auf die oftmals laut gewordene Kritik an der vom Passat übernommenen Armaturentafel, die nicht zum exklusiven Anspruch des Arteon passe. Der komplette Instrumententräger, die Mittelkonsole mit dem Infotainmentbereich und der Klimasteuerung sowie die oberen Bereiche der Türverkleidungen wurden deshalb neu gestaltet und mit hochwertigen Materialien versehen. Die Temperaturen der serienmäßigen Climatronic werden jetzt über ergonomisch geformte Touchslider eingestellt. Serienmäßig ausgerüstet ist der Arteon grundsätzlich mit dem 11,7 Zoll großen Display des „Digital Cockpit“. Ebenfalls in Serie ist das Infotainmentsystem „Discover Media“ mit einem acht Zoll großen Touch-Monitor und integrierter Navigation. Neu an Bord ist zudem ein optionales 700-Watt-Highend-Soundsystem von harman/kardon, das speziell auf den Arteon zugeschnitten wurde.

Einerlei ob Gran Turismo oder Arteon Shooting Brake – das Platzangebot im Innenraum ist beeindruckend. Selbst wenn am Steuer eine Person mit einer Körpergröße von 1,85 Meter sitzt, kann es sich ein gleich großer Mitfahrer auf der Rückbank überaus bequem machen. Die maximale Beinfreiheit im Fond beträgt 1,02 Meter. Ein Gardemaß, das auch der Vorgänger vorweisen konnte.

Im Vergleich zu dem aber hat sich die Antriebspalette deutlich verändert. Mit der Überarbeitung kommt von Herbst an erstmals ein Plug-in-Hybrid in der Baureihe zum Einsatz. Die eHybrid genannte Variante ist eine Kombination aus einem 156 PS starken 1,4 Liter TSI und einem E-Motor mit 115 PS. Das ergibt eine Systemleistung von 218 PS. Die Batterie mit einer Kapazität von 13 Kilowattstunden soll eine rein elektrische Reichweite von etwas mehr als 50 Kilometer ermöglichen. Angeboten wird der eHybrid in beiden Karosserie-Varianten und den Ausstattungsversionen Elegance und R-Line. Lediglich in der Basisversion Arteon ist der Plug-in-Hybrid nicht bestellbar. Zu haben ist das Grundmodell allerdings mit dem Zweiliter TSI mit wahlweise 190 oder als 4Motion mit 280 PS. Der 150 PS-Benziner mit Zylinderabschaltung ist in Deutschland aufgrund mangelnder Nachfrage nicht mehr im Programm. Bei den beiden Zweiliter-Dieselmotoren mit 150 oder 200 PS kommt die Twindosing-Technologie, also ein doppelt ausgelegtes SCR-Katalysatorsystem, zum Einsatz. Damit soll eine Einsparung der Stickoxidemissionen (NOx) von bis zu 80 Prozent erreicht werden. Bislang gab es das Twindosing lediglich im Leistungsbereich bis 150 PS. Mit dem neuen Arteon 2.0 TDI in der Leistungsstufe mit 200 PS ist die Technologie nun auch in dieser Leistungsklasse angekommen. Dieser Turbodiesel kann optional mit Allradantrieb bestellt werden.

Alle Triebwerke sind mit einem Doppelkupplungsgetriebe (DSG) kombiniert. Das gilt auch für das neue Spitzenmodell der Baureihe. Denn mit dem Upgrade und der Einführung des Shooting Brake rollt mit dem Arteon R auch die neue Performance-Variante an. Der von Volkswagen R für den Arteon entwickelte 320 PS starke Turbovierzylinder – intern Evo4 genannt – ist die neuste Evolutionsstufe. Seine höchste Leistung stellt der 2,0-Liter-Motor zwischen 5.200 und 6.600 Touren zur Verfügung. Bereits ab 2.000 Umdrehungen pro Minute wuchtet die Maschine das maximale Drehmoment von 420 Newtonmeter in Richtung des serienmäßigen Sieben-Gang-DSG. Das Doppelkupplungsgetriebe ist an den ebenfalls serienmäßigen und neu entwickelten Allradantrieb der R-Modelle gekoppelt. Die Kraftverteilung zwischen den Achsen wird in diesem Fall über einen sogenannten Torque-Splitter geregelt. Der Torque-Splitter ersetzt beim 4Motion-Antrieb der Arteon R-Modelle die elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung, wie sie in den anderen Arteon 4Motion-Versionen zum Einsatz kommt. Die Antriebskraft wird mit dem Splitter nicht nur variabel zwischen den Achsen, sondern auch zwischen den beiden Hinterrädern verteilt. Bis zu 100 Prozent des Antriebsmoments können so auf das kurvenäußere Rad gelenkt werden. Agileres Fahren und höherer Kurvengeschwindigkeiten sind die Folge. Wirkungsweise des Torque-Splitters und der stabilisierenden Fahrdynamiksysteme sind zudem über die serienmäßige Fahrprofilauswahl zu regeln.

 

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